Potentiale der Geothermie in Bayern
Rund 30 % der CO2-Emissionen Bayerns entfallen auf den Gebäudesektor, wovon der überwiegende Anteil auf die Bereitstellung von Warmwasser und Raumwärme zurückzuführen ist. Um in Bayern bis 2040 klimaneutral zu werden, muss die Wärmebereitstellung durch erneuerbare Energien weiter ausgebaut werden.
Oberflächennahe Geothermie ist technisch weit etabliert und spielt ihre Stärken insbesondere in dünn besiedelten Gebieten aus, die etwa 50 % des gesamten Wärmebedarfs in Bayern ausmachen.
Tiefengeothermie eignet sich insbesondere für die energieeffiziente zentrale Wärmeversorgung in Ballungszentren, da die Anlagen nur wenig Fläche benötigen und leise arbeiten. Die Wärmebereitstellung durch Tiefengeothermie gehört zu den klimafreundlichsten Erneuerbaren Energien mit einem hohen CO2-Vermeidungspotential.
Das berechnete technische Potential der hydrothermalen Tiefengeothermie für Temperaturen <80°C entspricht 7655 MWth. Abschätzungen der Geothermie-Allianz Bayern zeigen, dass damit theoretisch bis zu 40 % des Wärmebedarfs von ganz Bayern gedeckt werden könnte. Um allein die Wärmenachfrage der südbayerischen Städte zu decken, die im Bereich des Molassebeckens liegen, wären zusätzlich zu den heutigen Projekten über 800 Förder- und Injektionsbohrungen (über 400 Dubletten) notwendig.
Soll die Grundlast (35 % der Wärmenachfrage) gedeckt werden, könnte der identifizierte Fernwärmebedarf in Bayern zu 16 % durch Tiefengeothermie bereitgestellt werden. Damit könnten fast 2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr eingespart werden. Will man beispielsweise 70 %- des Wärmebedarfs decken, könnten bis zu 6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr eingespart werden. Bei den spezifischen Treibhausgasemissionen weist die Tiefengeothermie mit den besten Netto-Vermeidungsfaktor von allen erneuerbaren Wärmetechnologien auf.
Eine stärkere Auslastung einer tiefengeothermischen Anlage führt zu ihrer erhöhten Wirtschaftlichkeit. Zudem ist die Nutzung der im Thermalwasser enthaltenen Energie bis zu einer geringen Temperatur möglich. Daher stellen die Kaskadennutzung in Industrie und Landwirtschaft sowie die Kälteproduktion eine attraktive Möglichkeit dar, um zur verbesserten Auslastung und Wirtschaftlichkeit von Geothermieprojekten und der Dekarbonisierung von Landwirtschafts- und Industrieprozessen beizutragen.