Wann schwingt ein Gebäude mit und warum reagieren Häuser unterschiedlich?
Jedes Gebäude hat eigene, natürliche Schwingungen – sogenannte Eigenfrequenzen. Treffen die Schwingungen aus dem Untergrund genau eine solche Eigenfrequenz, kann sich das Gebäude „aufschaukeln“. Dieses Phänomen heißt Resonanz und ist der Hauptgrund, warum zwei benachbarte Häuser bei derselben Erschütterung ganz unterschiedlich reagieren können.
Zwei Schwingungsarten spielen eine Rolle:
- Vertikale Schwingungen (oben/unten): Werden vor allem durch die Biegung der einzelnen Geschossdecken bestimmt. Sie hängen stark von der Größe der Decken ab und liegen meist bei höheren Frequenzen (etwa 12,5 – 20 Hz).
- Horizontale Schwingungen (seitlich): Betreffen das gesamte Gebäude. Sie hängen vor allem davon ab, wie steif das Gebäude ist – also zum Beispiel, wie viele tragende Wände es hat. Sie liegen typischerweise im Bereich 5 – 10 Hz.
Zusätzlich spielt der Untergrund eine Rolle (Boden-Bauwerk-Interaktion, kurz BBI): Auf festem Boden wie dem Münchner Schotter hat der Untergrund nur geringen Einfluss auf das Schwingungsverhalten. Auf weicheren Böden kann er Bewegungen dagegen merklich verändern.
Für den Raum München wichtig: Weil der Untergrund hier sehr steif ist (Vs ≈ 400 m/s), beeinflusst er die Gebäudereaktion insgesamt nur wenig. Auf deutlich weicheren Böden (Vs ≈ 100 m/s) wäre das anders.
Quelle: GAB 2.0 Abschlussbericht, Kap. 5.4.2 „Berichte und Ergebnisse aus den Arbeitspaketen“ – AP 1.3 Gebäudetaxonomie für Vulnerabilitätsanalyse (S. 94–96, Abb. 72) mit parametrischer Variation von 87 FEM-LPM-Gebäudemodellen (Kumawat et al. 2024) sowie Boden-Bauwerk-Interaktion für den Münchner Baugrund bei Vs ≈ 400 m/s vs. Vs ≈ 100 m/s (S. 95; Kao et al. 2023).