GAB fördert junge Talente in der mitteltiefen Geothermie
Ein Gespräch mit Bachelorstudentin Isabella Elbe
Isabella Elbe studiert Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München und verfasst derzeit am TUM Lehrstuhl für Energiesysteme ihre Bachelorarbeit. Betreut wird sie dabei von Christopher Schifflechner und Arianna Passamonti; gefördert wird das Projekt durch die Geothermie‑Allianz Bayern (GAB). Im Februar 2026 nahm sie als Stipendiatin am HTHP-Symposium in Kopenhagen teil.
Welche Verbindung hast du zur GAB und wie entstand die Zusammenarbeit?
Der Kontakt zur GAB entstand durch meine Bachelorarbeit, die sich mit der thermoökonomischen Bewertung von Großwärmepumpen für mitteltiefe geothermische Fernwärmesysteme beschäftigt. Die GAB ermöglicht meine Betreuung am Lehrstuhl und schafft damit die Grundlage dafür, dass ich das Thema in dieser Form bearbeiten kann.
Der Forschungsfokus hat mir kürzlich die Teilnahme am HTHP Symposium in Kopenhagen eröffnet. Dort konnte ich mein Forschungsprojekt schon in einer frühen Forschungsphase vorstellen und wertvolle Impulse sammeln.
Wie hast du das HTHP-Symposium in Kopenhagen erlebt?
Das Symposium war für mich ein echter Höhepunkt. Ich konnte vor Fachpublikum ein Poster präsentieren und einen kurzen Pitch zu meinem Thema geben. Dadurch entstand sofort ein intensiver Austausch über technische Konzepte, Simulierungsansätze und neue Ideen zur praktischen Umsetzung meiner simulativen Berechnungen. Besonders bereichernd waren für mich die Diskussionen über neuartige Fluide und innovative Designstrategien, die mir bislang noch nicht begegnet waren.
Sehr bereichernd war auch das Netzwerk, das dort entstanden ist. Viele Teilnehmende arbeiten an Projekten, die sich gut mit meiner Arbeit verbinden lassen. Gleichzeitig bot das Symposium die Möglichkeit, Forschung einmal außerhalb der eigenen Uni zu betrachten und in einen viel breiteren Kontext einzuordnen. Diese Perspektive nehme ich jetzt mit in meine weitere Arbeit.
Worum geht es in deiner Bachelorarbeit?
In meiner Bachelorarbeit analysiere ich, welche Großwärmepumpen für mitteltiefe Geothermie in der Fernwärme am effizientesten und wirtschaftlichsten einsetzbar sind. Da geothermische Quellen in diesem Bereich meist Temperaturen von ungefähr 30 bis 60 Grad Celsius liefern, braucht es eine Wärmepumpe, um die Wärme auf ein nutzbares Niveau anzuheben. Dafür vergleiche ich einstufige, zweistufige und dreistufige Kompressorwärmepumpen sowie verschiedene Kältemittel.
Methodisch basiert meine Arbeit auf einem Optimierungscode, den ich weiterentwickle und im Moment intensiv stabilisiere. Dieser Code berechnet unter anderem die Kompressorgrößen, Leistungszahlen und wirtschaftlichen Kennwerte. Ein wichtiges Ziel ist es, später Gemeinden oder Stadtwerken Anhaltspunkte zu bieten: Welche Wärmepumpe passt zu ihrem geothermischen Potenzial und zu ihren lokalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?
Welche Erfahrungen nimmst du bisher aus der Arbeit mit?
Durch die Modellierung wird sehr deutlich, wie komplex die Abhängigkeiten zwischen Technik und Wirtschaftlichkeit sind. Strompreise, Investitionskosten, Effizienz und die Wahl des Kältemittels greifen direkt ineinander, und kleine Änderungen können große Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig ein gut funktionierender Code ist, um verlässliche Aussagen treffen zu können. Das Debuggen ist dadurch zwar zeitintensiv, aber lehrreich.
Darüber hinaus wächst mein Verständnis für reale Marktbedingungen und dafür, wie sich Wärmepumpentechnologien in größere Systeme einfügen. Das hilft mir, meine Arbeit nicht nur als theoretisches Modell zu sehen, sondern als Grundlage für Entscheidungen, die später tatsächlich im Fernwärmesektor relevant sein können. Diese Verbindung von Theorie und Praxis motiviert mich sehr.
Welche Pläne hast du nach dem Bachelor?
Für die Zeit nach dem Bachelor stehen mehrere spannende Optionen im Raum. In Kopenhagen wurde mir ein mögliches PhD‑Projekt in Irland angeboten, bei dem ich stärker praktisch arbeiten würde, etwa an Prüfständen für neue Fluide und beim Testen innovativer Wärmetauscherkonzepte. Diese Perspektive reizt mich, weil sie Forschung sehr unmittelbar erlebbar macht.
Gleichzeitig interessiert mich der Masterstudiengang GeoThermie/GeoEnergie an der TUM und FAU, der geowissenschaftliche Grundlagen mit ingenieurwissenschaftlicher Anwendung verbindet und dabei ebenfalls sehr praxisnah bleibt.
Sollte ich mich für das Forschungsprojekt in Irland entscheiden, freue ich mich dennoch auf den weiteren Austausch mit der GAB, etwa bei Veranstaltungen wie dem Wissenstransfer. Die Unterstützung der GAB hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass sich viele Türen geöffnet haben und dass ich international bereits gut vernetzt bin.
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